Autor Thema: Musik 06 - Rückblick  (Gelesen 1269 mal)

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Musik 06 - Rückblick
« am: 26. Dezember 2006, 12:59:28 »
Wen es interessiert - Mein Rückblick:

Das Musikjahr 2006
-Ein Rückblick

Nimmt man sich diverse Musikmagazine zur Hand, fällt oftmals folgendes Phänomen nach ein paar Zeilen schwarzgedrucktem sofort auf: vieles liest sich aufgesetzt, pseudointellektuell und gewollt lustig, sodass der Spaß am Lesen nach ein paar Berichten abnimmt und dem sofortigen Hörgenuss der aktuellen Lieblingsplatte weicht. Das war 2006 nicht anders, doch es geht auch anders. Als ich letzte Woche Samstag in dem vermutlich kleinsten Plattenladen Dortmunds die neuste Intro-Ausgabe vor der Tür liegend vorfand, verschwanden sofort zwei Exemplare in meine Tasche. Auf der Rückfahrt im Zug las ich mir als erstes den Bericht und das Interview mit Bloc Party durch, deren zweites Album “A weekend in the city“ Anfang 2007 erscheinen wird. Ein Album, das nicht nur von mir nach dem grandiosen und überaus erfolgreichen Erstling voller Spannung erwartet wird. In diesem Bericht habe ich letztendlich auch die schönste aller Beschreibungen für ein Album gelesen, die von den zahlreichen Autoren in den zahlreichen Reviews kreiert wurden: ““A weekend in the city“ ist keine Platte zum Tanzen, keine zum Putzen, Knutschen oder Autofahren – “A weekend in the city“ ist eine Platte zum Schnellgehen im Dunkeln, zum Rennen bei verschwimmenden Großstadtlichtern“. Als ich dann vom Bahnhof den Weg zurück laufen musste, es war gegen zehn Uhr und jahreszeitlich bedingt schon extrem dunkel, blieb mir dieser Satz so permanent im Hinterkopf hängen, dass ich mir dachte: genau diese Musik fehlt dir nun auf dem Nachhauseweg. Gleichzeitig erinnerte ich mich an einen Sommertag 2005, an dem ich mit dem Zug in die Stadt fuhr und „They’re building walls around us“ von Moneybrother in meinen Ohren erklang alsbald ich die Geschäftsstraße erreicht hatte. Hoch lebe die Shufflefunktion. Auf einmal erschien die graue Stadt bunt, die Leute freundlich und der verschmutzte Weg entwich einem hellen und sonnigen blau – ich flog. Das Jahr geht also mit einer guten Erinnerung an 2005 und einer spannenden und großen Erwartung an 2007 zu Ende, womit wir uns wohlwollend der Gegenwart widmen können, die bald schon wieder Geschichte ist: Das war 2006.

“Du schreibst Geschichte“

Fallen wir damit doch vollkommen unerwartet und unverkopft mit der Tür ins Haus: Geschichte geschrieben haben wortwörtlich Madsen mit ihrem zweiten Album “Goodbye Logik“ und den bisher veröffentlichten Singles “Du schreibst Geschichte“, “Goodbye Logik“ und “Der Moment“. Schneller als erwartet, besser als gedacht – was wie eine Zeile aus einem urtypischen Madsensong rüberkommt könnte die nahezu passendste Überschrift für das Zweitwerk der aus dem Norden stammenden Band sein. Madsen klingen auf dem zweiten Album konkreter, geht es auch, verglichen mit ihrer ersten Platte, um nahezu identische Themen wie die Liebe und der Selbstverwirklichung. Textlich wurde weiterhin die Strategie verfolgt, die ihnen am erfolgversprechendsten erscheint: Geschichten, mit denen man sich identifizieren kann, Dinge, welche die Hörerschaft beschäftigen und Slogans, die sich leicht einprägen sowie mitsingen lassen. Dahinter steht ein druckvoller und abwechslungsreicher Gitarrensound, der nicht eintönig wirkt, sondern wie z.B. in “Der Moment“ mit Streichern an richtiger Stelle untermalt wird. Madsen live haben ebenfalls 2006 nicht enttäuscht. Nachdem ich die Band schon drei mal zuvor live gesehen hatte, stellte sich das vierte Konzert in Köln als das Konzerthighlight 2006 dar: Von der ersten Minute an waren 90% der Menge in Bewegung - und das bis zum Schluss. Von der ersten Minute an sangen 90% der Menge die Songs mit, dass man zwischenzeitlich sogar Probleme hatte, Sebastian Madsen wahrzunehmen. Was am Ende der Show blieb, waren vor allem Menschen, die alle zusammen “Wonderwall“ von Oasis sangen und somit ein fantastischer Eindruck eines fantastischen Abends, der sicherlich eine Veröffentlichung auf der kleinen silbernen Scheibe verdient gehabt hätte. 

”Cause if the N.M.E say you’re so cool and they really like your style“

Nach dem Hype ist vor dem Hype, und auch wenn man mit der Zeit immer kritischer wird (zumindest werden sollte), so ist es doch in einigen Fällen mehr als berechtigt. Zwei Beispiele dafür sind dieses Jahr die Arctic Monkeys und The Rifles. Die einen kommen aus Sheffield, die anderen aus einem Londoner Vorort und beide sorgten schon zu Beginn des Jahres mit ihren ersten Singles für platzende Indietanzflächen in ganz Europa. Im Falle der Rifles war das der “Local boy“, die Geschichte eines Kriegsveteranen, der zwar viel erlebte, dem aber so gut wie keine Aufmerksamkeit geschenkt wird. Ein Song wie ein Brett, treibende Gitarren bis zum Umfallen. Es war sofort klar: Die Rifles werden zwar kein neues Rad am Wagen erfinden, aber sie haben eben ihren eigenen Style. Sie erzählen Geschichten und diese klingen dabei so frisch und auf den Punkt gebracht, dass man einfach zuhören muss. Das Debut “No love lost“ ließ zwar noch bis Ende August auf sich warten, enttäuschte aber keineswegs und zeigte vielmehr, dass die Rifles mit “Local Boy“ keine Eintagsfliege geschaffen hatten, sondern mit Songs wie “She’s got standards“, “Repeated offender“, “Peace & quiet“ und ihrem “Hometown Blues“ nur noch mehr hymnisch anmutender Songs geschaffen hatten. Ironischerweise waren es gerade sie, eine Band, die wie aus dem nichts kam, die einen oftmals stattfindenden Ablauf im heutigen Musikbiz kurz und prägnant in “She’s got standards“ zusammenfassten: “If you’re a new band breaking be aware cause she won’t be far behind/But if you’ve got no airplay she won’t care and you better move aside“. Und wenn man dem Album so zuhört ist es doch genau das, was man der Band keinesfalls wünscht. Vergleichbares geschah den Arctic Monkeys, die zwar nicht direkt wie aus dem nichts auftauchten, dafür aber eine noch größere Welle der Begeisterung auslösten. Die Arctic Monkeys veröffentlichten ihre Songs vorerst nur im Internet, diese verbreiteten sich und nach kurzer Zeit waren sie das Gesprächsthema Nummer 1 im Netz, wodurch Plattenfirmen die band entdeckten, bis sie schließlich unter Vertrag genommen wurden. Das erstaunliche an den Arctic Monkeys ist, dass sie alle noch sehr jung sind, noch vor dem 20. Lebensjahr stehen und dabei musikalisch so bescheiden auftreten, dass sie sogar Einladungen von TOTP absagten und auf Awardveranstaltungen durch Abwesenheit glänzten.  Ein Vergleich mit den frühen Oasis wäre also fatal, denn den Arctic Monkeys geht es lediglich um ihre Musik, ein Auftritt im eigenen Musikvideo ist irrelevant, vielmehr wird ein Regisseur ausgesucht, der mit ihnen eine Art Kurzfilm entwirft. Ihr Album “Whatever people say I am, that’s what I’m not“ überschritt in kürzester Zeit die Millionenmarke und wurde zu dem Hype des Frühjahrs 2006, dessen Erfolg von der Vorabsingle “I bet you look on the dancefloor“ ausging. Ein Song, der zum Tanzen einfach perfekt geeignet ist, so wie das ganze Album. Sie klingen frisch und man stößt sofort auf den Gedanken, irgendetwas tun zu wollen, und wenn es nur das Staubsaugen im eigenen Zimmer ist. Ich glaube wenn man sagt, dass die Arctic Monkeys dieses Jahr “einiges bewegt haben“, trifft es das ganz gut und eines ist sicher: nicht nur sie, sondern auch die Rifles werden uns sicherlich in nicht allzu langer Zeit mit einem zweiten Album erneut beglücken. Ob in diesem Ausmaß, bleibt abzuwarten. 

Eclat

Ein Eclat hingegen ist es, wenn man beobachtet, wie viele gute Alben veröffentlich wurden, wie wenige Leute sie aber zu kennen scheinen. Durch einen Spex- oder Musikexpresssampler wurde ich zu Beginn des Jahres auf eine mir bis dato unbekannte deutsche Band namens Monochrome aufmerksam. Deren “Auskopplung“ “Every once a while“ machte mich sehr auf das Album “Eclat“ neugierig, in den mir bekannten Plattenläden war es aber nicht aufzutreiben und online bestellen wollte ich vorerst nicht. So war es der pure Zufall, als ich nach dem Abi im Urlaub in einem französischem Plattenladen gleich mehrere Kopien des Monochrome Albums vorfand. Anscheinend ist die Band dort nicht ganz unbekannt. Monochrome zeichnen sch vor allem dadurch aus, dass sie verschiedene Musikstile miteinander geschickt kombinieren. Von Rock bis Pop, über Indie bis hin zu Emo/Screamo-Elementen ist auf “Eclat“ alles vorzufinden, was das Musikjahr 2006 interessant gemacht hat, es ist also im Grunde eine große Best of 2006 Platte, die alles vereint. Monochrome singen Deutsch, Französisch und Englisch und gönnen sich mehrere Backgroundsängerinnen, die eigentlich gar keine sind, sondern wie ein fester Bestandteil der Band integriert scheinen. “Eclat“ ist daher vor allem eines: abwechslungsreich, gut und gelungen, sowie eines der interessantesten Alben 2006.

Emo

Monochrome arbeiteten mit EMO Elementen, andere setzten voll und ganz auf das, was in 2006 am meisten für Aufmerksamkeit gesorgt hat: die aus den USA zu und rollende EMO-Bewegung. Nie gab es so viel Hörmaterial einer Bewegung, nie stieß eine Stilrichtung auf so viel positives wie negatives Feedback. EMO war und ist vor allem im Internet vorzufinden, ob bei You Tube oder My Space, EMO ist somit mittlerweile mehr als nur ein Begriff. Dieser ist dermaßen vielschichtig und verschieden auslegbar, dass vor allem eine Diskussionsfrage in diesem Jahr immer wieder aufkam: Wer oder was ist überhaupt EMO? Zwei Beispiele, denen die EMO Hörerschaft eher kritisch gegenübersteht, die mir persönlich aber am besten gefallen haben, waren Billy Talent und Panic! At The Disco. Billy talent könnte man durchaus schon vom ihrem ersten Album kennen, Panic! hingegen stießen in Zeiten des My Space Booms von einem Moment auf dem anderen dem Musikbiz zu. Billy Talent haben mit ihrem zweiten Album nicht viel anders, einiges aber vielleicht geschickter gemacht, nämlich die richtigen Singles ausgekoppelt. “Devil in a midnight mess“ und “Red flag” wandelten derartig oft über den Bildschirm von MTV, dass man dem nahezu gar nicht entkommen konnte. Hatte ich das zur ersten Single noch mehr oder wenig versucht, scheiterte dies direkt bei “Red flag“, einer großen Hymne, die aus einem sonst ebenfalls großen Album klar hervorsticht: “The kids of tomorrow don’t need today, when they live in the sins of yesterday“ heißt es da, und man kann nur schlecht wiedersprechen. “Billy Talent II“ besteht aus großartigen Songs wie “This suffering“ die nahezu darauf hinauszielen, live gespielt zu werden. Das einzige, was man bemängeln könnte wäre, dass sie in sich zwar homogen, aber zu gleich klingen und sie live schon so routiniert sind, dass manchmal nicht die Stimmung aufkommt, wie man es z.B. bei Madsen erlebt hat. Panic! hingegen haben sich die frühen Killers zum Vorbild genommen und glänzen durch Kostümierung und künstlerische Videos. Ihre Songtitel sind absurd und extrem lang, ihre Songs abwechslungsreich und dramaturgisch aufgebaut, bestes Beispiel dafür ist die in Deutschland erschienene Single “I write sins not tragedies“, der Höhepunkt kommt stets zum Schluss. Panic! At The Disco sind die etwas andere Band, die zwar ebenfalls wie die Arctic Monkeys noch sehr jung sind, was zu einem Teil aber vielleicht auch einen gewissen Erfolg ausmacht: die Jugend, in der vieles ausprobiert wird und werden darf, denn Billy Talent setzen im Gegensatz zu ihnen vor allem auf eines: Routine.

“I’m with stupid”

2002 war gestern, 2006 ist heute. Nach “Release“ erschien mit “Fundamental“ nach nahezu vier Jahren wieder ein neues Pet Shop Boys Studioalbum. Nicht viele Elektrobands können mich begeistern, die Pet Shop Boys schaffen es immer wieder, weil sie stets anders sind, keinen beliebeigen Trends folgen und man immer wieder überrascht ist, zu was allem das Duo in der Lage ist. Vorab erschien mit “I’m wih stupid“ ein typischer Pet Shop Boys Hit, der diesmal nur einen ungewöhnlichen Beigeschmack hatte: Er besaß eine politische Aussage, was mich zögern lies – werden die PSB zu den neuen U2? Gott sei Dank hat sich dieses nicht bestätigt, mit durchaus tragendenderen Texten als “Release“ konnte “Fundamental“ aber trotzdem glänzen, dass dieses mal auf einen typischen PSB Sound setzte, mit Trevor Horn als leitender Produzent aber eine besondere Note erhielt und den Status der Pet Shop Boys im Musikbiz überlegen verteidigte. Lediglich an den wirklich großen Songs mangelte es, reißt man das Album auseinander, wirkt es stellenweise etwas blass, doch “Integral“ und “Sodom & Gomorrah Show“ zeigen deutlich, warum sie auch heute noch eine große Anhängerschaft besitzen und zugleich, dass mal wieder die falschen Singles aus einem Album ausgekoppelt wurden. Und wenn wir mal ehrlich sind: Wer erwartet noch ein zweites It’s a sin? Das wäre dann auch irgendwie langweilig.

“It’s like a thunder without rain“

Ich hatte relativ schnell mitbekommen, dass Brainstorm, eine Band aus dem kleinen Lettland und zugleich eine meiner absoluten Favoriten, dieses Jahr ein neues Album veröffentlichen würden. Das erste Album ohne ihren Bassisten Muminsh, der 2004 bei einem Autounfall tragischerweise ums Leben kam. Ich war gespannt, ob Brainstorm diesen Verlust verarbeitet hatten, wie die neue Platte klingt, ob es praktisch eine Antwort auf den Verlust war, wie es generell weitergeht und wenn ja, in welche Richtung. Schon die Vorabsingle “Thunder without rain” stellte unmissverständlich klar, dass etwas fehlt: “It’s like a thunder without rain, or like a week without Sunday, or like a book without a last page, you want to buy, you have to pray”. Im Video sieht man Brainstorm als Teil einer langen Autoschlange wartend auf die Einfahrt in das Tor zu einem neuen Leben. Düster ist die Grundstimmung, nachdenklicher, vergleicht man besonders dieses Video mit den ersten der Band. Doch Brainstorm geben nicht auf, stellen vielleicht fest, dass ein neues Leben gar nicht das ist, was die Lösung für alle Probleme ist und liefern deshalb das ab, was vielleicht nicht gerade wenige von ihnen am letzten erwartet hätten: ein typisches Brainstorm Album, das mit allen Facetten glänzen kann, wofür Brainstorm stehen. Das sind vor allem melancholische Songs, die aber nie einen Funken von Hoffnung aus den Augen verlieren, fesselnde und unheimlich melodische Songs und Kaupers eindringliche Stimme, die den Hörer träumen lässt. Brainstorm schaffen das, was vielen Bands in ihrer Karriere verwährt bleibt, sie fangen eine gewisse Art von Zauber ein, bannen den Klang Lettlands auf eine runde Scheibe, die Menschen in ganz Europa zu hören bekommen. Wenn Kaupers singt, dass es sich allein anfühlt, wenn man eben alleine ist (“Lonely feeling (to be lonely“)), dann glaubt man ihm das, wenn er nach L.A. flüchten möchte (“Leavin to L.A.“), dann möchte man mit ihm gehen und wenn er in “Digitally bright davon singt“, dass es schwer ist, grenzen zu überschreiten, kann man ihm nur zustimmen. Mit dem Album “Four shores“ hat sich vor allem “one thing“ gezeigt, nämlich, dass Brainstorm nie aufhören sollten, Musik zu machen.

“Ich sang die ganze Zeit von dir“

Auch 2006 gab es wieder die Songs, die höchstwahrscheinlich nur geschrieben wurden, um mal auf ein Mixtape zu kommen. “Ich sang die ganze Zeit von dir“, die Vorabsingle des Albums “Buchstaben über der Stadt“ der Band Tomte ist so. Anfang 2006 war es der Song, den man am meisten überall hörte und von dem jeder sprach, der in jeder Indie-Disko zu hören war und bei dem das Herz jedes Indiemädchen brach, damit es von einem Indiejungen wieder repariert werden konnte. Tomte haben erneut geschafft mit ihren Songs die Menschen zu erreichen, Geschichten von Walter und Gail zu erzählen, denen man einfach zuhören und denen man Beachtung schenken muss.
Wer im Radio nicht oft genug Tomte zu hören bekam, der konnte vor allem feststellen, dass Richard Ashcroft mit “Break the night with colour“ einen kleinen aber feinen Radiohit zusammengebastelt hatte. Der Song gehört zu den schönsten Singles des Jahres, die Kombination Ashcrofts rauer Stimme mit diesem einen simplen Pianosound ergänzt sich nahezu perfekt und wenn selbst WDR2 Richard Ashcroft spielt, muss das ja was heißen. Überall zu hören gab es auch den Überhit der Sportfreunde Stiller, ’54, ’74, ’90, 2006, welcher sich als der offiziellste aller inoffiziellen WM-Begleiter herausstellte und der meistverkaufte legale Musikdownload 2006 wurde.
Im Spätsommer ließ dann der Song einer schwedischen Band die Münder der Indiegemeinschaft spitz werden, um die Melodie von “Young folks“ mitzupfeifen. Peter Bjorn & John schufen damit den schönsten Anwärter auf einen Hit, der es in keine Hitparaden schaffte, den aber jeder mitsingen kann.
“Chasing cars“ – der erste deutsche Hit von Snow Patrol, der es sogar in die Top 10 der Charts brachte, wer hätte das gedacht? Im Nachhinein kann man sagen: sie haben es verdient, denn “Chasing cars“ besticht durch einen minimalistischen Sound, der einem das Herz erwärmt wie kein anderer Song zur Zeit.

“Move along“

Es gibt diese Songs, durchaus Gute, die aber trotzdem nicht beim ersten Mal hören im Ohr bleiben würden, gäbe es nicht ein so fantastischen Begleitvideo dazu. In Zeiten von Yamba und Co. ist das sicherlich ein rarer Genuss, aber besonders ein Song mit einem Video hat es mir dieses Jahr angetan und mich direkt aufgefordert, immer mal wieder You Tube anzuklicken um es anzuschauen, dabei handelt es sich um “Move along“ der All-American Rejects. Move along bietet kein eingängiges Video, es setzt sich aus verschiedenen Teilen zusammen. Anfangs fällt der Sänger in ein großes Schwimmbad, allein die gegebene Kameraperspektive (Vogelperspektive) und die Farbkombination ist so fesselnd und “Garden State“-like, dass man meinen könnte, Zach Braff persönlich fiele ins klare Blau. Weiter geht es mit verschiedenen Lebenssituationen, ständig wechselnd, ständig der Sänger im Vordergrund mit anderen T-Shirts, sicherlich eine Menge Arbeit für den Regisseur und vor allem eines: sehenswert. Wenn der Song dann zum Höhepunkt aufläuft, mit einem Kinderchor auftrumpfend, der nicht besser hätte platziert werden können, steht die ganze Band samt Chor auf der Bühne und lässt dich gefühlsmäßig an Ort und Stelle sein. Das Video lässt den Song noch besser werden, als er eh schon ist, und damit gehört sowohl Song als auch Video zu den Spitzenreitern 2006.

“I don’t know who you are“

Roman Fischer kannte ich bisher nicht, My Space sei Dank wurde auch das geändert. Roman Fischer ist kein Popstar, kein gecasteter Interpret, er ist Musiker, und das aus vollem Herzen. Hört man seine im Herbst erschienene zweite Platte “Personare“, so hört man ganz deutlich die Radiohead und Placebo-Nuancen heraus, Größen, vor denen sich Roman Fischer nicht zu verstecken braucht. Auf dem Album “Personare“ gibt es keine klare Songstrukur, keinen Song, den man beim erstmaligem Hören komplett entdeckt hat, denn dafür sind sie zu vielschichtig und zu geschickt arrangiert. Ob Piano, Gitarre oder die vielen anderen Instrumente, die es auf dem Album zu hören gibt, alle werden von Roman Fischer geschickt zusammengeführt und von einer Stimme dominiert, die den Hörer in einen Bann zieht, dem man nur schwer entkommen kann. Roman Fischer hat mit Personare ein erwachsenes, vielseitiges Album kreiert, dass es im wahrsten Sinne des Wortes zu entdecken gilt, hat man dieses einmal geschafft, lässt es einen so schnell nicht mehr los.

Die weiteren Platten 2006 aus dem Deutschsprachigen Raum:

Dorfidisko – Kurz vor Malmö
Entgegen jeder Kritik haben Dorfdisko mit ihrem Album “Kurz vor Malmö“ ein sehr hörenswertes Album aufgenommen, dass mit Songs wie “Millionen Fragen“ und “Kurz vor Malmö“ zu den besten Deutschen 2006 gehört

FOTOS – FOTOS
Der Höhepunkt im Indieherbst/-winter. Eine Platte, die dermaßen Englisch und erfrischend anders klingt, dass man sie einfach mögen muss. Anspieltipps: “Ich bin für dich da“, “Giganten“, “Komm zurück“.

Schrottgrenze – Chateau Schrottgrenze
Mittlerweile schon etwas zu sehr Tocotronic-klingend, aber vielleicht ebend eswegen hörenswerter denn je. Anspieltipps: “Fotolabor“, “Am gleichen Meer“.

Die weiteren Platten 2006 aus dem internationalen Raum:

Phoenix – It’s Never Been Like That
We are Scientists – With Love And Squalor
Eskobar – Eskobar
The Strokes – First Impressions Of Earth
Albert Hammond, Jr. – Yours To Keep
Ben Kweller – Ben Kweller
Razorlight – Razorlight
Mando Diao – Ode To Ochrasy
The Kooks – Inside In / Inside Out
Muse – Black Holes And Revelations
Morrissey – Ringleader Of The Torementors
Scissor Sisters – Ta Dah
Paolo Nutini – These streets
The Rapture – Pieces Of The People We Love
Yeah Yeah Yeahs – Show Your Bones
Sugarplum Fairy – First Round, First Minute
Placebo – Meds
Angels And Airwaves – We Don’t Need To Whisper
+44 – When Your Heart Stops Beating

”Disappointed…Once more”

Natürlich gab es auch die eine oder andere Enttäuschung 2006. Mit voller Erwartung fieberte ich den beiden zweiten Alben der Killers und Kasabian entgegen. Die ungebremste Begeisterung von Noel Gallagher über die neue Kasabian Platte kann ich leider nicht teilen. Vieles wurde versprochen seitens der Band, hinterher sieht das Ergebnis so aus wie nach jeder politischen Wahl der vergangenen Jahre: vieles wurde erzählt, weniges wurde davon eingelöst. “Empire“ klingt wie der sehr vielversprechende freche Erstling, nur weitaus uninspirierter und belangloser, einfach ideenarm. Ebenfalls enttäuscht haben die Killers mit “Sam’s Town“ – nicht nur für mich, sondern bei der breiten Masse wenig Anklang. Was vom typischen Killerssound blieb ist nicht viel, größer sollte alles klingen, nach Stadionrock und nach U2. Was das Ergebnis anbelangt, so fehlen hier nach zwei, drei Songs schon die Ideen, der Klang geht im wahrsten Sinne des Wortes durch die Vielzahl der Einflüsse einfach unter, man möchte Abschalten. Was bleibt? Die Hoffnung auf bessere dritte Alben und der Rückbesinnung der Killers auf den “Hot Fuss“ Sound, denn manchmal sollte man einfach das tun, was man am besten kann.

“Dance with me“

Überall wird sich beschwert, dass es keine Artikel über Bands gibt, die (hauptsächlich) aus Frauen bestehen. Nun, es gibt ja auch durchaus eher wenige, aber einen Überraschungsh*t hatten wir doch im Jahre 2006, den es durchaus explizit zu erwähnen gilt: The Pipettes. Mehrere Eindrücke sammeln sich, wenn man die Pipettes hört. “Ui, das klingt ja poppig“ hört man sehr oft,  aber eine Prise Pop schadet ja bekanntlich nie, und die Pipettes klingen in der Tat sehr poppig. Referenzen aus der Abba-Region kann man nicht verleugnen. “Das klingt ja lustig“ ist die zweite Reaktion, die einem öfter entgegen gebracht wird. Und ja, es klingt durchaus lustig, aber nicht, weil man sich über die Musik lustig macht, sondern, weil es einfach grundlegend sympathische Musik ist. Hört man die Pipettes, wird einem klar: das ist Feierabend Musik. Musik, die man gerne im Auto oder auf der Rückfahrt hört. Musik, bei der man sich gerne auf die Couch setzen möchte und entspannt - aber auch, und jetzt kommt das tolle, Musik, bei der man sofort anfangen möchte zu Tanzen. Die Pipettes laden somit auf die Tanzfläche, wo garantiert noch viele Jungen und Mädchen zu den Klängen ihres Albums “We are the Pipettes“ tanzen werden.



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Re: Musik 06 - Rückblick
« Antwort #1 am: 26. Dezember 2006, 14:45:59 »
Schönes Ding, Mein Rückblick kommt noch.

Der beste deutschsprachige Song 2006 war für mich MIA mit "Tanz der Molekühle".Komischerweise fand ich "sexyback"von Justin Timberlake recht cool,vorallem die Instrumental version die eher klang wie ein DJ Hell Track.


mein Lieblings Album 2006 war Nouvelle Vague,zwar nur Coverversionen aber sehr süss.

ganz schlecht fand ich 2006 zbs.Billy Talent , Das 2.Killers Album...
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Re: Musik 06 - Rückblick
« Antwort #2 am: 26. Dezember 2006, 19:35:22 »
...fand ich "sexyback"von Justin Timberlake recht cool...


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Offline ceremony

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Re: Musik 06 - Rückblick
« Antwort #3 am: 26. Dezember 2006, 20:02:29 »
Schönes Ding, Mein Rückblick kommt noch.

Der beste deutschsprachige Song 2006 war für mich MIA mit "Tanz der Molekühle".Komischerweise fand ich "sexyback"von Justin Timberlake recht cool,vorallem die Instrumental version die eher klang wie ein DJ Hell Track.


mein Lieblings Album 2006 war Nouvelle Vague,zwar nur Coverversionen aber sehr süss.

ganz schlecht fand ich 2006 zbs.Billy Talent , Das 2.Killers Album...

 :beerchug:

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ich fand den song auch sehr gut. da hat sich wirklich jemand mal gedanken gemacht.
Confusion: "Für mich ist Ceremony hier der größte Held."

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Re: Musik 06 - Rückblick
« Antwort #4 am: 26. Dezember 2006, 20:10:36 »
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Das sagt einer der zum Phil Collins Konzert geht und bei Ebay  Bravo Hits 1-234
verkauft???

Du bist .....  ;D
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Re: Musik 06 - Rückblick
« Antwort #5 am: 26. Dezember 2006, 21:48:28 »
meine platte des jahres ganz klar:

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Confusion: "Für mich ist Ceremony hier der größte Held."

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Re: Musik 06 - Rückblick
« Antwort #6 am: 28. Dezember 2006, 15:53:34 »
Wen es interessiert - Mein Rückblick:

Das Musikjahr 2006
-Ein Rückblick

Wow, danke, sehr interessant.

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Re: Musik 06 - Rückblick
« Antwort #7 am: 30. Dezember 2006, 19:18:26 »
eine Band die man 2006 noch erwähnen muss ist Hot Chip, deren Album "The Warning" fand ich klasse besonders die Single "over and over" ich empfehle die US 12" Ausgabe mit dem Solid Groove Remix auf Astralwerks.Die Single von Kate Bush "King of the mountain" war auch super.
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Re: Musik 06 - Rückblick
« Antwort #8 am: 02. Januar 2007, 12:06:14 »
Ja, Hot Chip führen sozusagen die ganzen Indie-Bestenlisten an. Habe mich damit aber noch nicht sooo sehr auseinandergesetzt. Mal sehen, evtl. besorg ich mir mal die Tage das Album.
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Re: Musik 06 - Rückblick
« Antwort #9 am: 02. Januar 2007, 14:09:48 »
Kann vieles aus Jetstreams Rückblick unterstreichen. Ich möchte an dieser Stelle noch an die Platten von Kante, PeterLicht und The Year Of erinnern, die meine persönlichen Highlights des letzten Jahres waren. Ganz generell bin ich der Meinung, dass 2006 international gesehen ein eher langweiliger, aus deutscher Sicht aber ein überraschend guter Musikjahrgang ist....

Mal schauen, was 2007 so kommt.   

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Re: Musik 06 - Rückblick
« Antwort #10 am: 02. Januar 2007, 18:03:41 »
Ja, PeterLicht ist mit "Wettentspannen" und "Das absolute Glück" in meiner persönlichen Bestenliste vertreten! :)
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